JXK – Unterstützung des Hungerstreiks in Straßburg und eine friedliche Kirchenbesetzung

Weshalb wir entschieden haben, direkt nach der Demo in Paris nach
Straßburg zu fahren, alles an Arbeit und Uni stehenzulassen, um bei
unseren Hevals sein zu können?

Noch in Paris haben wir von dem Besuch
bei Rêber Apo erfahren und haben sofort mit den FreundInnen vor Ort
kommuniziert, wie wir nun vorgehen werden, um den Besuch weitesgehend
analysieren und verstehen zu können. Schnell haben wir festgestellt,
dass dieser erlaubte Besuch ein Versuch der türkischen Regierung ist,
den Hungerstreik Leyla Güvens, den der PKK und PJAK Gefangenen und den
der GenossInnen in Straßburg zu sabotieren und den Widerstand zu
brechen. Natürlich empfanden wir ein riesiges Gefühl der Erleichterung,
zu wissen, dass es Apo zumindest gesundheitlich weites gehend gut geht.
Zugleich stärkte dies unseren Widerstandsgeist und motivierte uns
mental, intensiver an unsere Arbeiten zu gehen. Nach einer langen
Busfahrt kamen wir spät Nachts in Straßburger Verein an. Da wir es kaum
abwarten konnten, die FreundInnen wiederzusehen, kam auch der Schlaf
sehr kurz, was uns jedoch nicht davon abhielt, den Tag voller Motivation
zu beginnen.

Nachdem gegen 10 Uhr, die
meisten Hungerstreikenden schon wach waren und sich nach und nach in den
Vorraum begeben haben, fingen wir an mit den Arbeiten. Wir leisteten vor
allem Hilfestellungen in allen Bereichen. Vom Tee machen, bis hin zum
morgendlichen nach draußen begleiten, um ihnen auch einen gewissen
Schutz zu liefern. Wir halfen ihnen eigentlich bei vielen
Alltagssituationen, wobei die FreundInnen sich in vielen Situationen
nicht helfen lassen wollten, da sie trotz 28 Tagen im Hungerstreik, sehr stark
erschienen. Gegen 12 Uhr bereiteten wir uns gemeinsam mit Menschen vom
Verein und der Jugend vor, um eine Kirche friedlich zu besetzen. Unsere
Forderungen wurden im vorhin ein noch einmal gründlich besprochen, wobei
diese prinzipiell schon eindeutig feststehen. Der Verein war kein Ort, um so viele Menschen zu
beherbergen und ihnen einen ausreichend desinfizierten, großen Raum zu bieten.
Da die Hungerstreikenden anfälliger für Infektionen sind und viel Besuch bekommen,
ist es wichtig gute hygienische Bedingungen schaffen zu können.
Wir forderten von der Kirchengemeinde der protestantischen Kirche ‚Eglise
protestante du Temple Neuf‘, dass diese ihre Mittel dazu nutzen sollten,
Menschen zu helfen, ihnen Räume zu bieten, um ihren Protest unter
anderen, angenehmeren Umständen fortsetzen zu können.



Nach gerade mal
einer Stunde, entschieden sich die Verantwortlichen der Gemeinde, die
Hungerstreikenden zu besuchen, da sie aus reiner Menschlichkeit diesen
helfen möchten und sich nun nach Räumlichkeiten umschauen. Dies war für
uns alle eine erfreuliche Nachricht und wir hoffen, dass sie ihre
Versprechen halten und die Hungerstreikenden endlich unter besseren
Umständen ihren Protest fortführen können.

Während der Aktionen blieben
die GenossInnen im Verein, da viele Menschen von außerhalb kamen, um
ihnen einen Besuch zu erstatten. Wir mussten feststellen, dass alle
Besuche die GenossInnen in ihrer Aktion zwar bestärken, jedoch zum Teil
auch anstrengend für sie sind, weshalb die Besuchszeiten um 17 Uhr
vorbei sind. Die meisten BesucherInnen sind sich jedoch den Umständen
und Zuständen bewusst, weshalb sie von alleine nach, in der Regel, einer
Stunde wieder nach Hause fahren. Während der Besuchszeit kam es zwischen
allen zu sehr interessanten Gesprächen. Die Unterhaltungen reichten von
privaten Erlebnissen bis hin zu Diskussionen über die demokratische
Moderne. Natürlich fragten uns viele auch nach unseren JXK Arbeiten in
Deutschland und was uns vor allem glücklich machte, waren die Aussagen
der FreundInnen über unsre Aktionen der letzten Zeit, um auf die Phase
aufmerksam zu machen. Sie standen sehr positiv unseren Aktionen
gegenüber und wir lachten über gescheiterte Aktionen, die wir alle schonmal
gemacht hatten.
Gegen Ende der Besuchszeit kam eine Freundin und ein
Freund mit einem Saz und spielten und sangen uns was vor. Die
Hungerstreikenden, so viel Moral wie diese hatten, sprangen direkt auf,
um zu den Gesängen zu tanzen. Dies war für uns ein solch
unbeschreiblicher Moment, der uns so viel Kraft gab. Wir erkannten, dass
der Mensch alles tun kann und wird, für die Freiheit, für die
Gesellschaft, für den Sieg der Revolution. Jedes Mittel ist hierbei
ihnen recht.


Da tagsüber einige FreundInnen von außerhalb auch kamen, um zu helfen,
hatten wir die Gelegenheit essen zu gehen. Aufgrund der Umstände, hatte
keiner der anwesenden Jugendlichen viel Appetit, zumal der Gedanke an
die FreundInnen allein unseren Hunger stillte.
Als wir wieder zurückkamen, erübrigte sich die Arbeitseinteilung der
HelferInnen, da so langsam eine Routine ins Spiel kam und die Arbeiten
flüssiger liefen. Gegen Abend kam ein weiterer Freund der Jugend an. Wir
erstellten eine Liste zur Nachtwache, da wir uns den Repressionen des
Staates, als auch den tückischen Mitteln der türkischen Kräfte hierzulande nach Erfahrung bewusst sind. Die Hevals gingen zu ihrem
Abend-Check-Up des Arztes vor Ort, damit dieser ihren gesundheitlichen
Zustand bewerten konnte und ihnen sagen konnte, wie sie sich von nun an
zu Verhalten haben (z. B. dass einige nun keinen Zucker mehr zum Tee nehmen
sollten, einige sich öfter hinlegen sollten, etc.). Der Abend nahm
langsam sein Ende und wir gegen alle zu Bette oder zur ersten Schicht
der Nachtwache.