Für uns fing der Tag heute um 6 Uhr morgens an. Der Morgen hier ist am schönsten. Wenn alles ruhig ist, so finden wir, können wir alles an Geschehen besser reflektieren. Tatsächlich war der heutige Tag sehr ruhig. Wir mussten wirklich vieles reflektieren und verarbeiten. Wir denken es ist schwer von außerhalb die Geschehnisse verstehen zu können und vor allem die Menschen hier zu verstehen. Von Dilek Öcalan bis hin zu Deniz Surgut, alle anwesenden sind Menschen mit verschiedenen Lebensgeschichten und somit auch Erfahrungen. Uns war bisher nie wirklich klar, welche Geschichte hinter jedem/jeder einzelnen hier steckt und was dies auch für uns hier bedeutet. Unser Wissensdurst war groß. Wir mussten sie einfach ausfragen! ????
Leider wurden wir Mittags unterbrochen vom Fernsehteam. Dieses ist übrigens jeden Tag hier und berichtet für Sterk-TV.
Nachdem das Fernseh-Team weg blieb der Tag vergleichsweise sehr ruhig. Es kamen kaum BesucherInnen, aber gut, war ja auch Dienstag. Ein ruhiger Tag heißt jedoch nicht, dass es ein ruhiger Tag für unsere Gedanken waren. Diese waren nämlich überall, nur nicht beim Alltag. Für die Hungerstreikenden hat es uns sehr gefreut, das heute endlich weniger los waren, sodass wir erleichtert waren, dass sie viel Zeit in ihrem Raum verbrachten, um keine Energie zu verschwenden. Frühnachmittags kam ein Politiker aus dem Parlament Frankreichs zu Besuch, um sich mit den Hungerstreikenden zu unterhalten. Da wir die Unterhaltung nicht unterbrechen wollten.
Direkt nachdem dieser weg war, hieß es für einige GenossInnen, die ausreichend erholt waren, sich auf dem Weg zum nächsten Treffen zu machen; und zwar in der Kirche. Wie beim Bericht des 1. Tages erwähnt, gab es eine Besetzung in der Kirche, die das Ziel hatte desinfizierte Räume für die Hungerstreikenden zu bekommen.
Leider kamen nicht viele Informationen bei dem heutigen Treffen zusammen und es wurde keine Lösung gefunden. Wir hoffen weiterhin wirklich wirklich sehr, dass die Räume den FreundInnen gegeben werden. Gegen Ende des Tages sangen wir gemeinsam einige Lieder und bereiten uns vor für die Kundgebung am nächsten Tag.
Den heutigen Tag haben wir zwar am kürzesten beschrieben, dieser hatte uns jedoch am stärksten beeinflusst. Bitte versteht uns nicht falsch. Wir wollen diesen Hungerstreik nicht romantisieren und ihn schön reden, denn das ist er nicht, keineswegs.
An der ganzen Situation ist nichts romantisches oder erfreuliches. Der Hungerstreik Leyla Güvens, welcher mittlerweile den 69. Tag angelangt hat, der nun 30. Tag des Hungerstreiks in Straßburg, usw.: das sind alles Proteste und Widerstände gegen die Isolationshaft Rêber Apos. Es geht hierbei nicht nur um Abdullah Öcalan als Person. Es geht um so vieles mehr.
In Rojava wird versucht auf physischem Wege die Revolution zunichte zu machen und in Imralı die Ideologie, die Institution Serokatîs zu zerbrechen.
Deshalb sind unsere Abschlussworte für den heutigen Tag:
Bijî Serok Apo!
Bijî berxwedana Rojava!
Bijî berxwedana Zindana!