Für uns fing der Tag heute schon um 7 Uhr morgens an, da wir keine Freunde verpassen wollten und für sie von Anfang an da sein wollten. Der Tag fing für so gut wie alle Hungerstreikenden leider nicht so gut an, da die meisten die Nacht sehr wenig bis fast gar nicht schliefen. Laut ihnen, wurden sie einfach nicht müde, wobei sie körperlich große Erschöpfung erkannten. Wir versuchten herauszufinden, wie es den FreundInnen wirklich geht. Nachdem sie, wie jeden Morgen und Abend, sich beim Doktor untersuchen ließen, erzählten sie uns von ihren Ergebnissen. Viele Freunde hatten sehr viel (bis zu 10 Kilo) schon verloren. Bis ca. 12 Uhr saßen wir in einer relativ kleinen Runde (wobei 3–4 Besucherinnen schon kamen) und sprachen miteinander.
Das Lachen der GenossInnen, ihr Widerstandsgeist und der Mut der FreundInnen ist auf so vielen Ebenen einfach so erfüllend. Jede Minute wurde in unseren Emotionen, die Hoffnung größer, dass die Totalisolation Öcalans bald zerbricht.
Nachdem die ersten Gruppen an BesucherInnen gegangen waren, haben wir entschieden, dass die beiden Vorräume wieder viel zu dreckig waren. Mittlerweile waren 5 der Hungerstreikenden krank. Deshalb fingen wir an alle Räume gemeinsam mit anderen Helfern und Helferinnen sauberzumachen. Dies beanspruchte viel Zeit, da man sehr genau sauber machen musste und alles an Oberfläche desinfizierte.
Währenddessen waren 2 FreundInnen vom Hungerstreik im Europäischen Parlament, um auf die Situation Leyla Güvens aufmerksam zu machen. Die Aktion ergab sich als sehr erfolgreich.



Nach unserer Putz-Attacke begaben sich alle wieder in die Räumlichkeiten und – wer hätte das gedacht – die nächste Gruppe BesucherInnen kam an. Darunter war die HDP Abgeordnete Meral Danış Beştaş. Während sie mit einigen Streikenden in einem Raum sich unterhielt, waren wir mit den anderen. Unsere Diskussionen fingen heute beim Tisbeh (Gebetskette) an und welchen Einfluss dieser auf die Ausstrahlung des Menschen hat, bis hin zu Werken Maos über Liberalismus. Ach, gerne erinnern wir uns an diese Diskussionen zurück! 🙂
Zwischendurch kümmerten wir uns auch um die alltäglichen Aufgaben, des kollektiven Zusammenlebens.
Wir entschieden uns alle ebenfalls in den Raum mit der Genossin zu begeben, da wir nicht unhöflich sein wollten. Immerhin war sie ein Gast.
Dort fingen wir an zu singen und die Hungerstreikenden fingen an zu tanzen. Obwohl alle wussten, dass sie nicht tanzen dürfen, obwohl ihr Arzt sie wiederholt gewarnt hatte, war es ihnen egal. Sie wollten einfach den Moment genießen mit uns allen. Nochmal wurde uns ihre Stärke klar und vor allem kam uns wieder die Kraft des Tanzes ins Bewusstsein. Ich wünsche, dass ihr das alles hättet mitverfolgen können!
Der Abend bestand aus einem Treffen des gesamten Komitees, das heißt den Hungerstreikenden und den Verantwortlichen und im Anschluss darauf einer Kritik und Selbstkritik Runde innerhalb der Streikenden.
Nach ihrem Treffen strahlten sie vor Motivation.
Wir fingen an uns alle bereitzumachen zum Schlafen oder zur Nachtwache und reflektierten das ganze Geschehen des Tages. Wir müssen sagen, dass wir mittlerweile an einem Punkt angekommen sind, an dem die ganze Trauer, der Weltschmerz und die damit verbundene Demotivation vollkommen verschwunden sind. Wir sind uns vor allem jetzt der Sache klarer denn je. Und wie Heval Yüksel Koç jeden Morgen in den Raum ruft “SILAVÊN ŞOREŞGER HEVAL ÊN HÊJA!”

